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Zur linken Hand : eine Erzählung / von Edmund Hoefer
Entstehung
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fiedeln, als deſſen Todesnachricht eintraf und allen ſchönen Plänen ein Ende machte. Er blieb der Zög⸗

ling ſeines Vaters, kam dabei jedoch kaum zu kurz und

bildete ſich ſo raſch und tüchtig heran, daß er ſchon in jungen Jahren eine gute Stelle bekam und ſich einen

ehrenvollen Namen errang, der ihm einige Zeit ſpäter

den Ruf an die Liebfrauenkirche eintrug. Ja, als ſein Vater bald darauf ſtarb, wurde ihm die alte Familien⸗ ſtelle in der Heimat angeboten. Weshalb er dieſelbe, die in jeder Richtung eine bedeutendere war, ablehnte und es vorzog, fern von den Seinen, am fremden Ort

und unter den fremden Menſchen alt zu werden, wurde nicht bekannt.

Johann Sebaſtian war einer von jenen Menſchen, denen man die Lebensjahre nicht an⸗ und nachrechnet, ja bei denen man dies, ſelbſt wenn man es wollte, gar nicht

4 auszuführen vermag. Als er in die Stadt kam, hatte ſein

Ruf und Name noch einen neuen Glanz; ſeine Frau war jung und ein kleines Kind, dem bald ein paar andere folg⸗ ten, zeugte gleichfalls für eine verhältnißmäßige Jugend des Vaters. Dieſem ſelber ſah man davon nichts an. Er war ein ſtiller und ernſter Mann und erſchien und gab ſich wie ein alter. Seine hohe, hagere Geſtalt hatte bereits eine leicht vornüber gebeugte Haltung angenommen, das Geſicht, von Pockennarbenerfüllt, zeigte tiefe Züge, die dunkeln Haare