Einſicht in die Anſichten des Vaters und ihre eigene Stellung als wohlhabende Bauerntochter begreifen ge⸗ lernt, was ſich ihr und Hans entgegenſtellte, war ſie ſich überhaupt bewußt geworden, daß ſie den treuen und ſtatt⸗ lichen Menſchen wirklich lieb habe, daß er ihr mehr ſei und gelte, als ſie bisher gemeint, wo ſie in ihm nur den alten Bekannten geſehen, auf deſſen Armen ſie, ſo zu ſagen, groß geworden. Und ſie fühlte dies immer deut⸗ licher in der letzten Zeit, wo ſie ihn häufig zu allerlei gefährlichen Dienſten und Gängen verwendet ſah, denen er ſorglos und guten Muths nachging, während ſie da⸗ heim, zum erſtenmal in ihrem Leben, von Unruhe gepei⸗ nigt und umhergetrieben wurde. Und ſie wußte nicht ein⸗ mal genau, wie er ſelber an ſie dachte, ob nur an die hoch über ihm ſtehende Tochter ſeines Herrn, oder mit einer Neigung, die weiter ſtrebte, einem Ziele zu, auf deſſen Erreichung Regine ſelber am wenigſten zu hoffen wagte.
Durch die finſtere und menſchenfeindliche Stimmung des Bauern war allen übrigen Angehörigen des Buſch⸗ hofes etwas Dumpfes, Trübes und Schweres eingeprägt worden, von dem ſie ſich, mit Ausnahme von Detlof, nie⸗ mals ganz frei machen konnten. Und ſie ſahen ſo wenig von der übrigen Welt, daß ſie nachgrade auf den Gedan⸗ ken kommen mochten, es ſei überall nicht anders, und das Leben des Menſchen nichts als Ernſt und Starrheit.


