203 achtet, ihre letzten Worte, und Milde und Weichheit
hatten in ſeiner Stimme einem ernſt⸗ruhigen, markigen und doch ſonoren Klange Platz gemacht.„Doch nicht, Madame! Sie wollen weder Nachſicht und Vergebung üben, noch die Schonung annehmen, die ich bisher geübt. Sei es denn, wie Sie es fordern. Sie werfen mir vor, daß ich gleichfalls von Vergeben und Vergeſſen geredet. Erinnern Sie ſich nicht mehr, daß vom Auguſt 1811 an jemand in unſer Haus kam und einen Einfluß auf Sie gewann, welchen ich nur mit Trauer, endlich mit Zorn täglich und mehr zunehmen ſah, als ſich mit unſerer Stel⸗ lung zu einander vertrug?— Erinnern Sie ſich nicht mehr daran, daß dieſe Beſuche damals zwar raſch auf⸗ hörten, aber im Herbſt in E. wieder anfingen und einen Fortgang nahmen, der mich endlich dazu zwang, im Fe⸗ bruar ſchon die Stadt zu verlaſſen, während die Geſell⸗ ſchaft allerdings glaubte, daß dieſe Abreiſe nur durch die Krankheit Ihrer Mutter veranlaßt würde?“
Da er zu reden begann und zuerſt die Beſuche eines Anderen erwähnte, war eine flüchtige Bewegung durch ihr Aeußeres gegangen. Sie hatte dieſelbe aber alsbald beſtegt, erhob die Augen mit einem faſt trotzigen Blick zu den ſeinen, und begegnete ihnen fortan, ohne nur einmal mit der Wimper zu zucken, und da er ſchwieg, öffnete ſie die ſchmalen Lippen und entgegnete mit ver⸗ ächtlichem Ton:„Es iſt ein wohlfeiles und veraltetes


