197
ſem Geſichtspunkt, Hildegard,“ redete er ſichtbar freundli⸗ cher weiter.„Gib Deine Vorurtheile auf und Deinen gänzlich unmotivirten Haß, nimm den jungen Mann als Deinen Verwandten, als denjenigen auf, den Dein einzi⸗ ges, gutes, liebes und ſchönes Kind von Herzen liebt, und gib Deinen Segen zu dieſer Verbindung.“
Sie hatte laut⸗ und regungslos zugehört; ihr Auge begegnete dem ſeinen um nichts milder, die hochmüthigen ſtarren Züge ihres Geſichts zeigten nicht eine Spur von Nachgiebigkeit oder Weichheit, und ihre Stimme war eiſig und zugleich hart, als ſie jetzt erwiderte:„nie, ſo lange ich lebe!“
Einen Augenblick ſchaute er ſie düſter an und ſagte halb vor ſich hin:„Das ſieht Dir gleich!“ Dann jedoch fuhr er mit der Hand über die hohe Stirn und redete ver⸗ hältnißmäßig milde:„Hildegard, Du weißt, daß in ſol⸗ chen Fällen bei uns niemals von einem Zwange die Rede geweſen, und daß Du am wenigſten im Stande, nicht ein⸗ mal berufen biſt, dieſen Zwang in Anwendung zu bringen. Die Entſcheidung ſteht noch einem Anderen zu, weißt Du, und ich bin entſchloſſen, dieſem Andern ſein Recht nicht verkümmern zu laſſen, ſelbſt wenn er perſönlich es nicht beanſpruchen wollte. Ich, als Haupt meines Hauſes, würde für ihn eintreten. Er gibt aber ſein Recht nicht auf, weiß ich.— Ich bitte Dich, mein Kind!“ ſchloß er wahrhaft herzlich und trat ihr einen Schritt näͤher.„Mache


