Teil eines Werkes 
2. Theil (1861)
Entstehung
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kürlich auch der ganze innere Menſch zugleich noch an den Folgen der böſen Krankheit litt, die ſie kaum beſiegt hatte. In dieſer Zeit entſchied ſich ihr Verhältniß zu dem Vetter erſt vollſtändig und die bisher noch immer verſcho⸗ bene Heirath kam zum wirklichen Abſchluß.

Niemand, ſelbſt die Mutter und der Gatte nicht, er⸗ fuhr jemals, ob Hildegard ſich über die Stellung dieſes Letzteren zu ihrer verſtorbenen Schweſter und über die Nei⸗ gung Beider zu einander klar geworden. Wie ſie aber einmal war,hatte man allen Grund anzunehmen, daß eine ſolche Erkenntniß ſie keineswegs von dem Bunde zurückge⸗ halten, vielmehr ſie noch entſchiedener zu demſelben hinge⸗ drängt haben würde. Es war immerhin genug Schwär⸗ merei in dem blutjungen Mädchen, um ſie wünſchen und wollen zu laſſen, dem Manne ſeinen Verluſt ſo viel wie möglich durch alle ihr inwohnende Liebe zu erſetzen. Und wer weiß, ob in Augenblicken des Träumens und Schwär⸗ mens, wie ſie denn doch auch für die trauernde Hildegard wohl gekommen ſein mußten, ſich in ihr nicht der Gedanke geregt hatte, daß ein Menſch, den ein ſo vollkommenes Weſen, wie die Verſtorbene, ſo ſehr geliebt, auch ſelber ganz beſonders vollkommen und liebenswerth ſein müßte.

Das alles währte und wirkte jedoch leider nur kurze Zeit. Hildegards Weſen kam bald wieder zum völligen Durchbruch oder vielmehr erſt zur rechten Entfaltung, und um ſo mehr, da die Gatten die erſten Jahre lang ganz