ob dieſelbe ihren Worten auch folge. Aber ſie mochte daran wohl nicht weifeln, wie das Mädchen denn auch, faſt noch bevor die Worte völlig ausgeſpochen waren, au⸗ genblicklich aufſtand, das Kleid über den Arm nahm, die beiden Stühle an den Tiſch ſchob und mit geſetzter Miene raſch und unhörbar das Gemach nach der Seite hin verließ. Ton und Ausdruck der Gebieterin waren für die vieljährige gewiſſermaßen verzogene Dienerin ſogleich be⸗ ſtimmend geweſen. In ſolchen Momenten konnte von nichts als ſtummen Gehorchen die Rede ſein.
So ſelten Hildegard von Merlin überhaupt ſchmerz⸗ haft oder auch nur nachſichtig war,— eine Laune, wie die gegenwärtige, wurde von ihrer Umgebung am meiſten ge⸗ fürchtet, und wie man in ſolchen großen und doch geſchloſ⸗ ſenen Hauskreiſen ſtets Stich⸗ und Scherzwörter für alles hat, ſagte man von dieſem Weſen der Baronin: Sie könne jetzt mit kaltem Blut zur Mörderin werden. Ganz un⸗ recht war dieſe Bezeichnung aber nicht. Einer oder der Andere, der ihr einmal zu trotzen gewagt, wußte wohl von dem kalten und dennoch drohenden Blick zu ſagen, der ihn in ähnlichen Momenten aus dem Auge der zürnenden Frau geſtreift, und Paul, der Diener, welcher in den Sommer⸗ wochen dem Maler zugewieſen war, ſagte nach einem ſol⸗ chen Fall einmal zu dem alten Gottlob halb lachend, halb ſich ſchüttelnd:„Wißt Ihr, es war mir dabei grade zu Muth, wie vor dieſem, als ich noch Soldat war— wenn


