Nähe, nein, daß Sie gerade in der Abtei, auf Engelsöe, beim großen Baron ſind!
„Lieber Ruprecht, Sie haben bisher Glück auf Ih⸗ rem Lebenswege gehabt, viel Glück! Alle Ihre Fahrten, alle Ihre— wilden kleinen Streiche ſind Ihnen zum Guten ausgeſchlagen. Es iſt möglich, daß es auch jetzt ſo geht, daß dieſer— Einbruch in die Abtei einen beſſern Einfluß auf Ihr ſpäteres Leben hat, als alle meine klugen und wohlüberlegten Pläne ihn hätten hervorbringen kön⸗ nen. Es iſt möglich, wiederhole ich, allein es kann auch Ihrer ganzen Zukunft einen nie zu verwindenden Stoß geben und— jedenfalls muß ich nun zu Ihnen reden.
„Ich werde mich kurz faſſen, lieber Ruprecht— eine Unterredung zwiſchen uns wird durch dieſen Brief nicht überflüſſig gemacht, ſondern bleibt nach wie vor nothwen⸗ dig. Für eine ſolche ſpare ich Ausführliches auf. Alſo, hören Sie mich an.
„Vor achtunddreißig Jahren wurde ich Erzieher in der Abtei bei dem einzigen Sohne des Barons. Er hieß, wie ſtets der Aelteſte der Familie und wie Sie— Rup⸗ recht. Es war ein wilder und zu Zeiten trotziger, aber im Grunde hochbefähigter und gutgearteter Knabe, der mir bald über Alles theuer wurde, und um ſo mehr, da ich ihn in Verhältniſſen und auf einem Wege fand, die mich für ihn nicht nur dauerten, ſondern auch ernſtlich beſorgt mach⸗ ten. Seine Mutter, eine ſehr ſtolze und entſchiedene, auch


