164
genen Faſſung auf's neue wankend zu machen.„Ja Sie haben recht gehört— ich will und ich muß gehen, heute noch. Der Diener packt bereits. Ich dachte davonzukom⸗ men, ohne Sie und mich durch den Abſchied zu quälen,“ ſetzte er mit ſinkender Stimme hinzu.„Ich will an den Herrn Baron ſchreiben— 4
„Aber weshalb, wozu das alles?“ fiel ſie ihm ins Wort.„Was iſt vorgefallen, wiederhole ich? Was hat meine Mutter mit Ihnen geredet?“
„Erlaſſen Sie mir dies und— alles!“ bat er, noch immer, ohne zu ihr aufzuſehen.
„Ruprecht!“
Da war es ihm unmöglich noch länger feſt und ge⸗ faßt zu bleiben. Der Name von den Lippen und in ſol⸗ chem Tone riß ihn hin und ließ ihn für den Augenblick alles vergeſſen, was geſchehn, was noch vor einer Se⸗ kunde ihm als die ſchmerzlichſte und demnach zwingendſte Nothwendigkeit erſchienen war. Er ſah auf und ſie an. Sie war wiederum vor ihm, wie vorhin, als ſie an der Brüſtung des Belvedere geſtanden; ſie trug ſogar noch den⸗ ſelben häuslichen und zierlichen Morgenanzug von roſa und weiß geſtreiftem leichten Stoff, der in ſeiner makelloſen Sauberkeit ihre ſchlanke Geſtalt weich und rein umfloß; auch die Wange war wieder bläſſer geworden, und die Augen blickten nicht mehr erregt, ſondern wieder mit wei⸗ chem, träumeriſchen Blick auf den Freund.


