22
Absberg ſah den Gehenden mit einem gedankenvollen Blicke nach und wandte ihn dann mit dem gleichen Aus⸗ druck zu Hohenfeld, welcher inzwiſchen ſich am kleinen mit allen möglichen Rauchutenſilien ausgeſtatteten Eck⸗ tiſch ſeine Pfeife friſch gefuͤllt und angezündet hatte, dar⸗ auf ſein Glas leerte und nun, gleichfalls ſchweigend, zum Fenſter trat, um einen Blick in den Hof hinaus zu werfen. Erſt nach einer Weile wandte er ſich um und fragte, den ſtummen Freund fixirend:„na, Hans Adam, was denkſt und ſinnirſt Du? Siehſt ja verwettert tief⸗ ſinnig aus, wie ich Dich nicht geſehn, ſeit Du Dich zuerſt in Deine kleine Frau verliebteſt.“
Absberg ſchüttelte den Kopf und leerte dann ſein Glas auf einen Zug.„Komme aunch beinahe zu der Zeit zurück“, ſprach er in gedämpftem Tone.„Grüble da bei allen alten Kammeraden und Freunden herum, wer von ihnen ein Geſicht gehabt, wie unſer Herr Ruprecht Münch. Denn ich kenne dies Geſicht oder hab's doch gekannt, es könnte mir ſonſt nicht gleich ſo lieb geworden ſein, ſo vertraut, ſo—
„Du biſt ein Narr, Hans Adam,“ fiel Hohenfeld ihm ins Wort, und ſein Geſicht verzog ſich zum Lachen. „Weiß der Kukuk, was Du Dir von Deiner großen Reiſe mitgebracht haſt, daß Du Dich mit ſo unnöthigen Dingen abgibſt. Denn grade heraus— er iſt keiner Menſchenſeele ähnlich, die Du oder ich gekannt. Aber


