Alt⸗Ruhnecks Ende. 255
Damen erſchien, die ſich, ſo gut es gehn wollte, im obern Raum des alten Thurms, den man auf der Ruhneck eigent⸗ lich den„Buckel“ hieß, eingerichtet hatten.
Er warf ſich müde in einen der herbeigeſchafften Seſſel und ſtreckte die Beine in den hohen Steifſtiefeln weit von ſich, und nachdem er der auch hier Promenade Verſuche machenden Schweſter die Hand geboten, ſprach er faſt im alten jovialen Ton:„laßt den Bettel brennen, Kinder, und grämt euch nicht darum. Das alte Neſt hatte ausgedient, es war nicht mehr für die Neuzeit, da half kein Putzen, Flicken und Künſteln. Ich habe mich ſchon vor vielen Jahren jedesmal über die verwünſchte, halsbrechende Steige geärgert, die uns hier oben iſolirte. Nun iſt's vorbei, wir ziehn hinab, Neu⸗Ruhneck iſt frei und parat für uns alle. Was uns werth iſt, nehmen wir mit— es iſt viel gerettet worden— und bleiben bei den Menſchen in der Welt. Und droben oder drunten, Kinder,“ ſetzte er hinzu und ſtand auf, und ſein Auge blitzte,—„Ruhneck oben! heißt's dort wie hier, wenn wir darnach zu leben verſtehn. Bisher hat mancher dabei nur an die Höhe gedacht, auf der das alte Gemäuer lag.“
Die Baronin ſchüttelte düſter das Haupt.„Richtig, mein Theurer!“ ſagte ſie.„Erinnerſt du dich an das, was ich neulich ausſprach? Das Alte muß dem Neuen weichen, das alte Neſt folgt ſeinen alten Inſaſſen— aber wird uns drunten Beſtand und Dauer werden, wie's uns hier oben geworden?— Der erſte Ruhneck, der herunterzieht, iſt ein todter Mann.“


