Alt⸗Ruhnecks Ende. 249
Vater an ihm zweifeln. Ich ſpreche hiermit meine Tochter von ihrem Euch gegebenen Worte frei.“
Das Schreiben war nach einer Berathung Eckhards mit den älteren Verwandten abgeſendet worden, und der Erſtere hatte darauf auch mit der Schweſter und dem Freunde auf das eingehendſte und herzlichſte geredet.
„Du weißt es längſt,“ hatte er ſchließlich zu Ulrich mit einem warmen Händedruck geſagt,„wir haben von Jugend auf niemals Grund gehabt, an einander zu zwei⸗ feln, und wenn meine Schweſter das Glück von meiner Hand annehmen will— ich biete es ihr von ganzem Her⸗ zen dar.“—
Einige Jahre Aufſchub mußte ſich das junge Paar, der ‚Welte wegen, freilich noch gefallen laſſen, aber beide waren jung und einander treu zu eigen. Beatrix lebte auf in dem neuen Glück, dem vollen Herzensfrieden, ſie war nie ſo ſchön geweſen wie jetzt, wo die Liebe die Kälte aus ihren Mienen, die Bläſſe von ihren Wangen ſcheuchte. Ulrich freilich litt noch immer unter dem Druck, den ihm ſeines Bruders ſchwaches und charakterloſes Benehmen ge⸗ geben hatte. Aber auch in ſeinen Augen zeigten ſich, zumal beim Anblick der Geliebten, zuweilen ſchon wieder Spuren der alten ſchönen Jugendluſt.— Die Trauer um den ſter⸗ benden Vater umhüllte freilich alle mit einem leiſe däm⸗ pfenden, ernſten Schleier, aber ſie diente dazu, ſie das be⸗ ginnende Glück auch für dieſen Schmerz als Erſatz und nur um ſo reiner, ſchöner und voller empfinden zu laſſen. So ſtanden die draußen und die drinnen, in einander


