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Die Alten von Ruhneck : eine Erzählung aus älterer Zeit / von Edmund Hoefer
Entstehung
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Alt⸗Ruhnecks Ende. 247

den Kopf auf, Kleine! ‚Ruhneck oben! iſt unſer Wahl⸗ ſpruch, dem auch du fortan nachleben mußt. Es wird alles gut werden, ihr dürft glücklich ſein. Die Agnes iſt glorios, ſie redet mit ſind's Engel- oder Schlangenzungen? und kann Steine erweichen!

Und Regine ſelbſt, die, wie ſich das von dieſen beiden Naturen begreifen läßt, der alten Frau aus dem Stein⸗ hauſe ganz zu eigen geworden war und dieſelbe auf gleiche Weiſe ſich zu eigen wußte, erhob endlich wieder ihr Köpf⸗ chen und ſchlug ihre Augen immer weniger ſcheu, immer weniger bangend, innig und vertrauend nicht mehr nieder vor Eckhards aufleuchtendem, leidenſchaftlich zärtlichem Blick. Nichts und niemand wider die Liebe!

Und es war am zwölften Tage nach jenem furchtbaren Morgen, am ſechsten April, und in der Stunde, die der Mittagsmahlzeit folgte, Antoinette hatte ſich nach einem ſchelmiſchen Blick auf die Uebrigen an den Arm der Baronin gehängt und die alte Dame mit ſich in den großen Saal entführt, wo ſie über eine der Ahnfrauen des Hauſes Aus⸗ kunft haben wollte, deren Bild ihr ganz beſonders gefiel, und der General hatte ſich dem Paare angeſchloſſen da ſtanden auf dem kleinen Balkon, der vor der Fenſterthür angebracht war und faſt über die jetzt wirklich grünende Mulde hinaushing, Regine und Eckhard zum erſtenmale, im vollſten, innigſten Verſtehen, Hand in Hand und Aug' in Aug', und wußten's und ſprachen's aus, daß ſie ſich ge⸗ hörten und einander gehören müßten und wollten für alle Erdenzeit. Und ihre Worte waren voll Glück und Segen,