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Die Alten von Ruhneck : eine Erzählung aus älterer Zeit / von Edmund Hoefer
Entstehung
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244 Alt⸗Ruhnecks Ende.

betreten und auf den erſten Blick begriffen hatte, was hier vorgefallen, ließ ſich kaum Zeit, auf des beſtürzten Eckhard fliegende Worte zu hören. Sie nahm das ohnmächtig ge⸗ wordene Kind in ihre Arme, ließ es hinübertragen in die Sainte Barbe, auf ihr eigen Bett, und wich nicht von ſeiner Seite, bis Regine wieder zum Bewußtſein kam und das Köpfchen feſt an die ſtarke, treue Bruſt der Alten geſchmiegt, umfaßt und beſchirmt von den Armen derſelben, allen Schmerz, alle Qual, alles Entſetzen, alles, was die ver⸗ gangene ſchwere Stunde über ſie gebracht, in heißen Thränen ausweinen konnte. Da hatte die Baronin ihr von ſich ſelbſt und Reginens Mutter erzählt und darin ihr den beſten Troſt gegeben, den ſie jetzt für ſie finden konnte.

Und ſo, mein Liebling, ſchloß ſie ihre lange Mit⸗ theilung,nimm, was dich eben erſchüttert, als die letzte Scene deines bisherigen ſchutzloſen, verwaisten Daſeins. Jetzt iſt alles anders, und du beginnſt wahrhaft ein neues Leben, nicht mehr verwaist, nicht mehr heimatlos, nicht mehr ſchutzlos allein in der Welt. Was geſchah, wird dich fortan nicht mehr ängſtigen, ich bin dir gut dafür. Verzeihe du meinem alten thörichten Bruder, und ich will ihm, ſo⸗ bald man wieder mit ihm reden kann, den Kopf einmal ordentlich zurechtſetzen. Er muß dich, er muß auch Eckhard, ſeinen Sohn, mit anderen Augen anſchauen lernen und be⸗ greifen, daß die Jugend uns Alten gegenüber auch Rechte hat, denen wir endlich doch weichen und nachgeben müſſen. Ich kenne deine Liebe, Kindchen, ſetzte ſie freundlich hinzu und hob das erglühende Geſicht Reginens von ihrer Bruſt und

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