Alt⸗Ruhnecks Ende. 243
genen, unmöglich geweſen, dabei blieb die Baronin. Aber es gäbe ja außer ihr ſelbſt auch keine alten Ruhnecker mehr, ſetzte ſie hinzu; der General ſei in all ſeinen Kriegsjahren der Heimat und Familie entfremdet worden und ganz und gar ein Kind der neuen philoſophiſchen Zeit, die ſein Ab⸗ gott, Friedrich der Große, heraufgeführt habe.
Regine ging umher wie eine Träumende, ſie fühlte ſich ſo reich, als ſtehe ſie mitten in einem jener geheimnißvollen Räume, von denen uns die Märchen berichten— von einem magiſchen Licht erhellt, erfüllt mit den edelſten und präch⸗ tigſten Schätzen aller Länder der Erde, und das alles ſei das ihre, und die hütenden Geiſter beugen ſich vor ihr als ihrer Gebieterin! Aber durch dieſen Traum, durch all den Glanz und die Pracht zog ein bald wilder, bald ſchwer⸗ müthiger Klang, der ihr das Herz zuſammenſchnürte, und eine Geſtalt ſchwebte finſter und mahnend vorüber und ſtörte ſie auf aus der Ruhe und dem Frieden ihres jungen Glücks. Das, was ſie mit Graf Rüdiger erlebt hatte, war dem Kinde wie ein Wehen des Todes ans Herz getreten; nicht Stunden, ſondern mehrerer Tage hatte ſie bedurft, um ſich in den ſchirmenden treuen Armen der Ihren, in der belebenden, erwärmenden Kraft ihrer Liebe ſo weit zu erholen, daß ſie der neuen Zuſtände, ihrer ganz veränderten Stellung ſich klar und innig bewußt wurde und das Glück und den Segen demüthig als ein Wirkliches, als ihr Eigenes anzunehmen und zu glauben wagte.
Die Baronin, welche faſt im gleichen Augenblick mit dem Zuſammenbrechen des Bruders das Familienzimmer


