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Die Alten von Ruhneck : eine Erzählung aus älterer Zeit / von Edmund Hoefer
Entstehung
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Alt⸗Ruhnecks Ende. 239

Von weither kamen die Boten, über ſein Befinden Kunde einzuholen, und die Höfe und die Hallen des Schloſſes wurden tagelang nicht leer von den Bewohnern des Fleckens, von den Dienern des befreundeten Adels der Umgegend. Graf Rüdiger war, wie wir ſchon hörten, ſein Lebenlang ein ſtrenger, aber ſtets ein gerechter, nie ein harter Herr geweſen und hatte immerdar ein ſcharfes Auge auf das Wohl⸗ ergehn ſeiner Unterthanen gehabt. Von all den Quälereien, denen die Angehörigen ähnlicher Herrſchaften damals noch

häufig unterliegen mußten, war während ſeiner Regierung

nie die Rede geweſen, und es war überall Schonung und

Nachſicht geübt worden, wo ſie verdient wurde, wo ſie

möglich war, ohne wilrkliche Beeinträchtigung der Herr⸗ ſchaftsrechte. Und wie bei den Bewohnern der Grafſchaft war es auch bei den Dienern des Hauſes, alle ſahen mit ernſter tiefer Trauer ſeinem Verluſte entgegen.

In der Familie war es leider anders. Der Herr, der denen da draußen genügte und ſie beglückte, hatté hier ſtets den Vater vermiſſen laſſen, und wie trüb und ernſt ſie auch dem Kommenden entgegenſchauten, der tiefe, nie⸗ mals wieder ganz überwundene Schmerz, der Kinder und Geſchwiſter am Sterbelager des Vaters und Bruders er⸗ greift, beherrſchte in ſeinem vollen Maße nicht einen von den Angehörigen des Grafen. Der Einzige, der hin und wider ſichtbar mit der finſteren Trauer zu ringen hatte, war der Zwillingsbruder, der General; aber er war auch wieder, möchte man ſagen, mit dem Tode zu vertraut und gegen den Anblick des Leidens und Sterbens zu abgehärtet,