Druckschrift 
Die Alten von Ruhneck : eine Erzählung aus älterer Zeit / von Edmund Hoefer
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Alt⸗Ruhnecks Ende.

gänzlich und in den unſtäten, bald ſtarren, bald matten Blicken zeigte ſich nichts, was auch nur im entfernteſten darauf hindeutete, daß er irgend eine Ahnung davon hatte, wer an ſeinem Lager weilen möchte, was um daſſelbe her ge⸗ ſchah. Der Arzt des Fleckens, der ſogleich erſchienen war, hatte nur ſehr wenig Hoffnung auf Beſſerung zu geben vermocht, ebenſo ſprach ſich ſein berühmterer College aus, der aus Thalingen geholt, noch am ſpäten Abend eintraf. Die verſuchten Mittel hatten keinen ſichtbaren Erfolg, der Zuſtand blieb von Tag zu Tag der gleiche, da die ein paarmal auftauchenden leiſen Spuren eines aufdämmernden Bewußtſeins jedesmal faſt ſchon nach einigen Minuten wieder verſchwanden, und die Aerzte verhehlten es der Familie bald nicht mehr, daß ihr anfängliches Urtheil leider das richtige geweſen und an eine Rettung nicht mehr zu denken ſei. Das Leben möchte noch eine Zeitlang zu erhalten ſein, lau⸗ tete ihr endlicher Ausſpruch; das volle Bewußtſein werde aber nie wieder zurückkehren und der Geiſt vielleicht bis ans Ende geſtört bleiben. Sie verſuchten, was möglich war, dem Kranken ſeine ſichtbar großen Leiden zu erleich⸗ tern, und verordneten im Uebrigen die tiefſte Ruhe und Stille. Er ſollte, wenn ja noch einmal das Bewußtſein aufdämmere, durch nichts geſtört und erregt werden. Agnes Rudhard und ein alter Diener theilten ſich in die Bewachung des Unglücklichen und in die wenige wirk⸗ liche Pflege, die man anzuwenden vermochte. Die alte Frau hatte ſich auf die erſte Nachricht von dem Unfall augen⸗ blicklich herüber tragen laſſen und war ſeitdem nicht von