Die Kriſis. 233
„Hat ſie Ihnen noch nicht mitgetheilt, daß— Sie ein Heimatsrecht in der Ruhneck haben, durch Ihre ſelige Mutter ein Kind unſeres Stammes ſind?“
Sie zuckte zuſammen und auf.„Herr Graf,“ rief ſie erregt und ſtreckte ihm die gefalteten Hände entgegen,„was ſagen Sie? O laſſen Sie mich alles— alles wiſſen! Sie ahnen nicht, wie ich meine Mutter liebe, von der ich doch ſo wenig erfahren konnte! Alles, was mir an Glück und Segen wird, möchte ich nur ihr allein danken, ihrer ver⸗ klärten Liebe, ihrem Aug', das noch immer ſegnend ihr ver⸗ waistes Kind behütet! Und nun— o Herr Graf, könnte ſie mir denn— von hier oder von dort— etwas Schöneres gewähren, als dieſe neue ſichere Heimat in einer Familie, in derjenigen, die mir in kurzer Zeit ſo theuer geworden, in der Ihrigen, Herr Graf? O reden Sie—!“—
Er war aufgeſtandeu und lehnte ſich an das Tiſchchen vor ihr, und ſeine Augen ruhten mit mildem, lächelndem, bewegtem Blick auf dem holdſeligen, glühenden, ſchwärmeri⸗ ſchen Kinde.„Nein, nein,“ unterbrach er ſie,„das darf ich meiner guten alten Schweſter nicht zu Leide thun, die alſo, wie es ſcheint, noch nicht geredet hat. Sie iſt lange genug unglücklich geweſen, um dies Glück zu verdienen und ſelbſt zuerſt gegen Sie auszuſprechen. Ich ſehe freilich nicht ein, weßhalb ſie ſo lange damit zögert. Aber wenn Ihnen mein Haus eine ſo liebe Heimat, wenn Ihnen meine Familie ſo theuer iſt und ſo willkommen—“ fuhr er leiſer fort und holte tief Luft, ſein Geſicht röthete ſich, und durch die reichgeſtickte Atlasweſte ſah man ſein Herz klopfen, denn da
—


