232 Die Kriſis.
klingen, daß ſie ſich unbeſchreiblich bewegt, in ſüßer Angſt und Befangenheit kaum zu faſſen wußte. Es drängte das ſo zärtliche und hingebende, von Liebe erfüllte Kind ihm mit dem jubelnden Ausruf„Vater!“ zu Füßen zu ſinken und ihm mit der Liebe ihres ganzen Lebens das Glück zu danken, das er ihr ſo herzlich entgegen zu bringen ſchien.
So hatte denn Eckhard alſo nicht nur geſprochen, ſon⸗ dern ſich auch mit dem Vater völlig verſöhnt und ſeine Einwilligung erhalten—?— Regine konnte das nicht aus⸗ denken. Sie ward glühend oth und vermochte kaum auf das zu achten, was der Vater des Geliebten— o fortan auch ihr eigener Vater!— weiter redete. Und es klang doch neben aller Innigkeit ſo ernſt! Und es war ihr, als ob ihr Glück näher und näher glänze— das nächſte Wort konnte es ihr verkünden!
„Ich ſegne dieſen Zufall, der mich Sie allein finden ließ, Regine,“ ſagte er.„Ich mußte ſo viel, ſo innig, ſo von ganzem Herzen zu Ihnen reden, mein geliebtes Kind, und ſah es nur ungern, nur mit Qual noch verſchoben.— Sagen Sie mir zuerſt— wollen Sie mir recht offen, recht frei antworten, aus Ihrem ganzen lieben Herzen heraus?“ — Sie ſah auf und ihn an, es war der unbeſchreiblich innige, träumeriſch ſüße Blick aus dem tiefen, kindlich ſanf⸗ ten und frommen Auge, der in jener Stunde im großen Saal auch Eckhards erſte Frage beantwortet hatte. Und er genügte dem Grafen Rüdiger gleichfalls.„Hat Ihnen meine Schweſter ſchon ein Geheimniß geſagt, mein Kind?“ fragte er ſanft und beugte ſich leicht vorüber, ihr näher.


