230 Die Kriſis.
er ihn dort vielleicht finde. Ihn, was das Natürlichſte geweſen, bei ſeinem Sohn oder bei dem General zu ſuchen, daran dachte er nicht, da die barſch ablehnende Weiſe des Bruders am vorigen Abend ihn ernſtlich verletzt, ja erbittert hatte, und jeder Gedanke an Eckhard ihn ſeit dem darauf folgenden herben und traurigen Geſpräch mit finſterem Zürnen und faſt mit Haß erfüllte, ohne daß er ſich über den Grund eines ſo unnatürlichen Gefühls und über ſeine Berechtigung zu demſelben, zumal jetzt, Rechenſchaft zu geben verſuchte.
So eröffnete er ungeduldig und erregt die Thür des ſchönen Gemachs und— blieb unwillkürlich und wie ge⸗ bannt auf der Schwelle deſſelben ſtehn. Den Geſuchten fand er auch hier nicht, aber am Fenſter vor Beatrix' Stickrahmen ſaß Regine, welche vor Kurzem die Tochter des Hauſes verlaſſen hatte.
Sein Zögern währte nur einen Augenblick. Im näch⸗ ſten durchklang ein feſtes Wohlan! ſein Inneres, er ſchloß die Thür leiſe und näherte ſich dem jungen Mädchen mit ſeinem gewöhnlichen, gemeſſenen Schritt. Sie war, nach⸗ dem ſie aufſchauend, den Schloßherrn erkannt hatte, aufge⸗ ſtanden und verneigte ſich bei ſeinem Nahen mit geſenktem Blick und leiſem Erröthen.
Als er vollends heran war, nahm er ihre Hand.„So häuslich beſchäftigt, mein theures Kind?“ fragte er mit ſanfter Stimme, und es klang ihr ſo warm und freundlich zu Herzen, daß ſie faſt dankbar bewegt zu dem ſtrengen Manne aufſah, der ja, ſo viel ſie wußte, ihr ganzes Ge⸗


