Die Kriſis. 229
auf und ab. Auch er hatte die Nacht ſchlaflos verbracht; die Gedanken an ſeine häuslichen und Familienzuſtände hatte er, ſo zu ſagen, auf die Seite geſchoben und ſich nur mit ſich ſelbſt beſchäftigt, noch einmal ſein Gefühl zu prüfen verſucht, alle möglichen Einwürfe ſeiner Geſchwiſter, ſeiner eigenen Familie, ſeiner Freunde und der großen Welt er⸗ wogen und, wie er glaubte, ſiegreich widerlegt. Dann erſt dachte er auch an die Seinen und die Mittheilung ſeiner Schweſter von der Liebe zwiſchen Beatrix und Ulrich. Sein eigenes Glück erhoffend und durch die Gedanken an daſſelbe, ſowie an alles, was ſich in kurzem entſcheiden mußte, beherrſcht, durch alle Vorſtellungen und Bilder von einer freundlichen Zukunft lebhaft bewegt, dachte er, wo nicht milder, doch gleichgültiger über eine ſolche Verbindung, als es ſonſt der Fall geweſen ſein möchte. Er erwartete ja Ulrich und beſchloß freundlich mit ihm auch hierüber zu ſprechen. Aber der junge Mann, der nicht wiſſen konnte, daß der Schloßherr ſchon ſo früh allein und zugänglich, erſchien nicht, und der Graf machte ſich endlich ungeduldig auf, ihn in ſeinem Zimmer aufzuſuchen. Er fühlte ſich auf⸗ geregt, ſeine Adern klopften, ſein Herz ſchlug hart und ſchnell. Er wollte die Entſcheidung und fühlte ſie nahe.
Das Schloß war ſtill, wie immer um dieſe Zeit, als er die langen Corridore zu dem ziemlich entlegenen Gemach des Mündels durchſchritt. Aber er verſuchte umſonſt die Thür zu öffnen, und auch ſein Klopfen blieb vergeblich, Ulrich war nicht daheim; und mißmuthig und ungeduldig machte er ſeinen Weg zurück, dem Familienzimmer zu, ob


