226 Die Kriſis.
Geſtalt derſelben wie ein Kätzchen anſchmiegend, die Händ⸗ chen auf ihre Schultern legend und mit den braunen, klaren und in ihrer Weiſe ebenſo unwiderſtehlichen Augen zu denen der Alten aufſchauend, ſagte ſie fröhlich:„Tante, nehmen Sie keinen ſo tragiſchen Ton an, ich ſehe wenigſtens wahrhaftig nicht, was hier zu bejſammern wäre! Daß die Beatrix nie für den Herrn Eberhard eingenommen, wiſſen Sie wohl ſo gut wie ich, und daß ihr Graf Ulrich hun⸗ dertmal beſſer gefällt als der Andere— iſt's nicht ganz natürlich? So freuen Sie ſich doch der Löſung, zu der auch ich, unfreiwillig, beigetragen haben ſoll.— Iſt's aber auch gewiß?“ ſetzte ſie ernſter hinzu.„Mir däucht wenigſtens, eure plötzliche Annahme ſteht noch auf ſehr ſchwachen Füßen.“—
Die Frau von Bergen ſtrich ihr leiſe über die reine, jetzt leicht geröthete Stirn.„Doch nicht,“ erwiderte ſie kopfſchüttelnd.„Graf Eberhard war Adjutant des Gene⸗ rals auf ſeinem Zuge, trägt die weiße Uniform ſeines Re⸗ giments, rühmt ſich ſelber, daß er in Franken eine Erobe⸗ rung gemacht—“
„Ah bah!“ unterbrach ſie Antoinette, zurücktretend und mit blitzenden Augen.„Das iſt er alſo nicht, Tante, denn deſſen kann mein Seladon ſich nicht rühmen! Schmachtend, zart, zudringlich und ſelbſtvertrauend, wie er war, muß er doch gemerkt haben, daß er bei mir nichts erreichte, es müßte denn das tolle Lachen ſein, zu dem er mich mit ſei⸗ nen Redensarten und ſeinem Weſen reizte.“
„Das iſt er alſo doch, ma nisce!“ bemerkte die Ba⸗


