Die Kriſis. 223
halten ſelber unbegreiflich zu finden, wie es denn auch wenig oder gar nicht in ihrer Natur lag und nur durch die ihr bevorſtehende endliche Entſcheidung über Reginens Geſchick zu erklären ſein mochte. Alles, was für oder wider die Verbindung der Enkelin mit dem Neffen ſtritt, regte ſich auf's neue in ihr und erfüllte die kräftige Frau auch von neuem wieder mit Unſicherheit und Schwanken. Regine dem Neffen überlaſſen— durfte ſie das? Und ſie ihm verſagen, ſie— beide!— unglücklich machen für lange, lange Zeit,— konnte ſie das?— Und hier empfand ſie auch ſehr wohl den Grund, daß ſie bisher gegen Rüdiger mit der letzten, vernichtenden Mittheilung zurückgehalten. Wie der Graf geſtimmt und erregt war, ließ es ſich nicht vorausbeſtimmen, von welcher Wirkung eine ſolche Mit⸗ theilung ſein würde— er konnte gänzlich dadurch gebrochen oder auch zu den allerextremſten Entſchlüſſen, gegen den Sohn gebracht werden. Und ſie traute ſich ſelbſt nicht. Sie wußte, daß ſie durch den ‚Unverſtand“ des Bruders zu einer jähen Entſcheidung fortgeriſſen werden könnte, die nach⸗ her weder ihr ſelbſt, noch einem Andern genügte.
Daß es bisher aber zwiſchen Vater und Sohn nicht zum vollen Ausſprechen gekommen, hatte ſie ſchon erfahren, wie ſie es bekanntlich auch nicht erwartet. Die Kammer⸗ frau hatte ihr beim Auskleiden mitgetheilt— die Baronin hörte heut, ganz gegen ihre Gewohnheit, nicht allein darauf, ſondern fragte ſogar darnach— daß der Graf und Eckhard ſich nur kurze Zeit mit einander allein befunden und dann wohl finſter, keineswegs aber in beſonders ſichtbarer Auf⸗


