Vor der Chronik. 27
nicht anders geweſen, wie ich wohl vernommen. Diesmal aber bleibſt du daheim, Kind, und horchſt fleißig auf die Worte Vater Auguſtins und reiteſt aus mit Meiſter Peter und magſt lernen die Platten tragen und das Schwert führen und die Lanze, daß du beſtehſt, wenn du alsbald mit meinem lieben Schwäher, Herrn Sigmund, reiteſt, wie du wohl magſt, wenn die Zeit da.“—
„Da ging Herr Wolfram fort mit ſeinem Sohn und den Herren, und das Herrlein hing den Kopf, denn es war traurig, und klagt' es Meiſter Petern. Aber der wußt' ihm auch keinen Troſt, denn Herr Wolfram ſprach nicht zweimal von demſelben Ding. Und mittlerweile war's der ſiebte Tag, wie der Herr Graf verheißen, und er befahl ſein Haus, Weib und Kind in die Hände Herrn Sebalds, von dem wir oben gemeldet, nahm einen fröhlichen Abſchied und ritt aus von der Ruhneck, und war's an St. Marci Abend, des heiligen Evangeliſten, da man ſchrieb nach unſeres Herrn Geburt 1471 Jahr'.
„Nun ſollſt du aber wiſſen, der du nach hundert und wieder hundert Jahren dieſes lieſeſt, und ſollſt es aufbe⸗ wahren in getreuem Herzen, was ich dir ſagen will von dem Rüdiger, der war ein Knab' und noch nicht fünf⸗ zehn Jahr'. Sein junges Herz war ihm ſchwer, da er den Vater reiten ſah und die Brüder und all die Herren, und er ſollte daheim bleiben! Und ſein Blut ſprang und ließ ihm nicht Ruh', und er ward ſchellig, und andern Morgens da es noch zeitig war und die Sonne noch nicht auf, ſo kam er und ſagt' zu Meiſter Petern:„ich kann nicht ſchlafen,


