Vor der Chronik. 25
die edlen Herren, die ich hier um uns ſehe, laſſen mich auch nicht allein auf meinen Wegen. Habe du nur guten Muth und reite friſch zu.“ Und wandte ſich, ließ ſich wappnen und ſaß auf und ritt dem Thore zu, und ſie grüßten ihn in den Gaſſen und riefen ihm laut zu, denn ſie hatten ſchon davon gehört, wie mannlich der treue Mann geredet. Und kam noch am Abend desſelbigen Tags nach Ruhneck, denn er ritt ſcharf und ſparte die Sporen nicht. Da hat er noch weniger gefeiert und Knechte angenommen, ihnen Waffen geben laſſen und Pferde, und die Burg ward voll von ihnen und man mußte ſie auch in die Stadt drunten legen. Denn es ging wie ein Blitz durch's Land:„der Ruhnecker reitet dem Markgrafen zu Hülfe!“ und da mochtens viele mit ihm wagen. „Nun haben wir aber ſchon berichtet, daß Herr Wolf⸗ ram nach Kunigundens Ableben das dritte Weib genommen, das hieß Edeltrud Antonia und war eine Tochter Conrads von Hausberg. Die hatte Herrn Wolfram nur einen Sohn getragen, der hieß Rüdiger, wie ſein Bruder ſeliger, und wurde ein Rittersmann, der ſeiner Ahnen werth, wie her⸗ nach zu leſen; dazumal zählte er aber erſt fünfzehn Jahr' und war ein feiner ſchmächtiger Knab', der bisher noch keinen Feind geſehn, noch Wiſſenſchaft von Kampf und Schlacht empfangen, und wollte Herr Wolfram ihn erſt am St. Matthäitage ſelbigen Jahrs zu ſeinem Schwäher, dem Grafen von Elz, thun, daß er von ihm als ein Bub' gebraucht würde, und der Knabe freute ſich ſehr, wie ich hernach oftmals von ihm ſelber gehört, denn er hatte ein


