24 Vor der Chronik.
rein, wie dein ehrlicher Vater ihn dir gegeben, ſondern voll treulos vergoſſenen Bluts. Wie war's mit Ulrich von Hattſtein, den hat ſein Knecht meuchlings erſchlagen, ſagſt du, und haſt ſein Weib genommen für dich und ſitzeſt auf ſeiner Väter Erbe? Wahre dich, Thomas, ich kenne dich! — Und nun genug, ich hab' euch geſagt, wie ich zu denken gelernt und zu handeln ſeit achtzig Jahren. Wer wlll, bleibe hier, wer will, folge mir nach. Die Ruhnecker ſtehn zum Markgrafen.“ Und nahm ſein Schwert auf und ging durch den Saale, feſten Schritts, als wär er ein junger Mann, und wagt es keiner ihn zu hindern oder ihm zu antworten auf ſeine ſtolze Rede. Sein Sohn aber, Herr Eckhard, und ſeine Freunde gingen ihm nach und ließen die Andern den ſchlechten Handel weiter berathen.
„Herr Wolfram ging davon eiligen Schritts, und in ſeiner Herberge— die war„zum Ritter“ beim Dom,— wandte er ſich um zu ſeinem Sohn und ſprach:„friſch, Eckhard, zu Pferd, nimm die Knechte mit und reite auf Onolzbach und ſage meinem gnädigen Herrn dem Mark⸗ grafen an, wie ſie's mit ihm im Sinn haben. Es ſoll nicht acht Tage anſtehn, da reit' ich ihm zu mit allem, was ich zuſammenbringen kann.“— Aber Herr Eckhard ſchüttelte den Kopf und meinte:„ſo wollet Ihr doch nicht allein reiten, Herr Vater, und habt heut mehr als einen Feind gewonnen, und Thomas von Mehrenheim kennt Weg und Steg? Mirr iſt, ich ſehe Euch niemals wieder.“— Da lächelte Herr Wolfram ein weniges und ſagte gütig:„ſorge dich nicht, Sohn, meine Zeit iſt noch nicht kommen, und


