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Die Alten von Ruhneck : eine Erzählung aus älterer Zeit / von Edmund Hoefer
Entstehung
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Vor der Chronik. 23

Jahr', und was unſer Herrgott ſeinen Kreaturen gibt, ich hab's alles erfahren, ſo Luſt wie Leid, Sieg und Gefahr, Hitz' und Kälte. Und mein lieber Herr Vater hat vor mir gelebt vierzig Jahr und hat mir nie verhehlt, wie es zuge⸗ gangen zu ſeiner Zeit, ſo daß ich wohl glauben und meinen durft', es ſei nichts in der Welt, davon ich nicht gehört und geſehn, es gäbe für mich alten Mann nichts Neues mehr zu erleben. Aber bei Chriſti heiligem Blut, ſolche Worte hab' ich nie vernommen wie heute, wie du ſie gere⸗ det vor unſerer Ritterſchaft, Thomas von Mehrenheim, und ich hab' auch niemals gemeint, daß ſolche Untreue dahehn ſei in einem deutſchen Mann, und daß vierzig umher ſitzen, und hat nicht Einer das Herz, dem falſchen Kläffer zu widerreden und ihm zu ſagen, daß wir nicht feile Knechte ſind, ſondern Ehrliche von Adel.

Da ward ein groß Geſchrei und Aufſtand, und ſie drängten ſich um Herrn Wolfram und fuhren ihn an mit trutzigen Worten und ſchmäheten ihn, und Thomas von Mehrenheim ſprang herbei und hatte ſich arg verfärbt und die Wehr gezückt. Andere aber traten zu Herrn Wolfram und ſagten:du haſt recht geredet und aus unſerm Herzen. Solch' Untreue iſt nie erhört worden in deutſchen Landen! Und Herr Wolfram ſelber ſtand feſt und ſtolz und ſprach laut:mein Haar iſt weiß geworden in Ehren, ſollt' ich's nun legen mit Unehren in die Gruft, daß ſich meine Väter von mir abkehren müßten in ihren Särgen? Wahre dich, Thomas, ich kenne dich wohl, du falſcher Mann! Prahle nicht mit deinem Degen, er ſchreckt mich nicht, iſt auch nicht