20 Alt⸗Ruhneck.
hatte denſelben auf den Wunſch des Vaters ſchon jung
wieder verlaſſen, weil der älteſte Bruder gleichfalls eine entſchiedene Abneigung gegen die Ehe zeigte und— er war 8 auch Soͤldat und fiel wenige Jahre ſpäter bei Mollwitz— nur von Treue gegen die Fahne wiſſen wollte. Rüdiger allein hatte eine Frau heimgeführt und war dem Vater endlich in der Herrſchaft über den großen Beſitz gefolgt. Er ſah vier Kinder geboren werden, drei Söhne und eine 1 Tochter; doch trat auch hier wieder das alte Geſchick auf:
die beiden älteren Knaben fielen in derſelben Stunde in
dem Gemetzel der Kunersdorfer Schlacht, und der Dritte
— nach ſeinem Oheim Eckhard getauft— war wieder der
einzige Träger aller Hoffnungen in beiden Linien. Er
war der erſte Ruhneck, welcher über zwanzig Jahre alt geworden, ohne Soldat geweſen zu ſein.
Außer den Genannten lebte als einzige Verwandte des* Hauſes nur noch eine viel ältere Stiefſchweſter der Zwil⸗ lingsbrüder, Hedwig Beatrix, Baronin von Bergen, die aber ſchon ſeit langer Zeit verwittwet und kinderlos war.
Und dieſe fünf Menſchen waren es, welche zur Zeit die reiche und mächtige alte Familie zu vertreten hatten.


