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Alt⸗Ruhneck. 19
wurde in Neu⸗Ruhneck— ſo hieß man den Sitz des zwei⸗ ten Stammes— noch ſeltener geſchaukelt, die Gruft in ihrer Kapelle aber öffnete ſich noch viel häufiger als die des alten Stammes. Das war einmal nicht anders, und dagegen ließ ſich nichts thun.
Die Ruhneck nahmen ſich ihrer Zeit dies Geſchick auch nicht beſonders zu Herzen und waren zwar als ernſte, wenig ſcherzhafte und noch weniger luſtige Leute, im Allgemeinen aber auch keineswegs als ‚finſtere“ Geſellen bekannt, welche den Freuden des Lebens abgeſagt und ſich gegen den Ver⸗ kehr mit der Welt gewehrt hätten. Sie ſtanden im Gegen⸗ theil überall und zu jeder Zeit im beſten Anſehn, ſie waren ſogar beliebt im Lande umher, bei Hoch und Gering, und Alt⸗Ruhneck wurde als eins der wenigen Schlöſſer gerühmt, wo man zwar dem hohen Range der Familie angemeſſen, im Uebrigen jedoch ziemlich zwanglos und behaglich zu leben pflegte und den Menſchen hin und wider als Menſchen zu würdigen und gelten zu laſſen verſtand.
Um die Mitte des achtzehnten Jahrhunderts wurden die beiden Linien von Zwillingsbrüdern fortgeführt; Graf Rüdiger Wolfram herrſchte zu Alt⸗Ruhneck, Graf Eckhard Rüdiger, oder wie man ihn in der Familie hieß: der Gene⸗ ral, auf Neu⸗Ruhneck. Dieſen Rang hatte der Letztere in der preußiſchen Armee erreicht, der er auch jetzt noch an⸗ gehörte. Er war niemals verheirathet geweſen, weil er weder Zeit gefunden, noch Luſt verſpürt hatte, nach einer Frau auszuſchauen. Graf Rüdiger dagegen, der mit ſeinem Bruder zur ſelben Stunde in den Dienſt getreten war,


