Druckschrift 
Die Alten von Ruhneck : eine Erzählung aus älterer Zeit / von Edmund Hoefer
Entstehung
Einzelbild herunterladen

2

Alt⸗Ruhneck.

Geſtalten mit trotzigen, finſteren Geſichtern, die euch unwill⸗ kürlich an die wilden Banden der Bauern erinnern, welche zur Zeit ihres großen Krieges in dieſen Landſtrichen ihre Hauptrekrutirungsplätze beſaßen alles und alles gemahnt euch an längſt entſchwundene Tage. Man bedarf hier gar keiner beſonders lebhaften Phantaſie, um ſich plötzlich in's tiefſte Mittelalter zurückverſetzt zu wähnen. 3

Der Gaſthof liegt an einem der höchſten Punkte des hier wiederum ſehr unebenen Terrains, und aus den Fenſtern der Gaſtſtube, welche im erſten Stock iſt, hat man eine Ausſicht über die Stadtmauern und auf die Berge rings, wie man ſie, durch die engen Straßen wandelnd, kaum erwartet hat. Grade im Mittelpunkt ſteigt die waldüberrauſchte Höhe, an deren Fuß das Städtchen liegt, ſteil und dunkel hinauf, rechts und links nähern ſich die Seitenberge des Thals ihr ſo ſehr, daß man zur Rechten gar keinen Zwiſchenraum wahrnimmt, obſchon derſelbe vor⸗ handen iſt. Zur Linken ſieht man dagegen eine, freilich nur ſchmale, Oeffnung, und aus ihr kommt der Fluß hervor. Alles iſt mit Wald bedeckt und dadurch noch ſchattiger und dunkler; die wenigen Felder und Matten des Städtchens liegen rückwärts das Thal hinab. Vor euch, an den Bergen, ſeht ihr keine Spur von Leben, und ſelbſt nach einer, ſicher hier erwarteten Ruine ſchaut ihr vergeblich aus.

Wie heißt der Ort? fragt ihr den Wirth, der doch einigermaßen umgänglich und wenigſtens der Sprache mächtig zu ſein ſcheint, was bei den übrigen Stadtbewohnern einem Fremden gegenüber keineswegs ſogleich außer Frage geſtellt