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Alt⸗Ruhneck.
hinſchlängelnd euch in den tiefſten und geheimſten Schooß des Waldlandes zu führen verſpricht. Jetzt ſtoßet ihr auf kein Haus mehr und begegnet vielleicht nicht einem einzigen Menſchen; allein das Blätterrauſchen in den dichtgedrängten uralten Waldbäumen und das Murmeln einnees kriſtallhellen Flüßchens, das euch entgegen kommt, unterbricht noch die rings herr⸗ ſchende tiefe Stille und Ruhe. Es iſt etwas Erhabenes, Ergreifendes in dieſer Einſamkeit, in dieſem Frieden, aber auch etwas grenzenlos Monotones, und mit einer Art von dumpfer Reſignation ſeht ihr das alte Spiel ſich immer wiederholen, ſeht ihr das Thal vor euch wieder durch eine dunkle, ſteile Höhe geſperrt, macht mit Flüßchen und Straße„ wiederum einen großen Bogen um den Fuß des Berges und— findet euch auf das erfreulichſte in eurer bangen Er⸗ wartung getäuſcht. Die Kuppen freilich ragen ringsum womöglich noch höher empor, als bisher, aber ſie treten doch allerwärts ſo weit zurück, daß ſich vor euch wirklich etwas einer Ebene Aehnliches auszubreiten vermag. Und was die Hauptſache iſt— im Hintergrunde erſchaut ihr am Fuß des dunkelgrünen Berges die zackigen Giebel und hohen Thürme einer kleinen Stadt.
Der Ort iſt alt, und ſeinetwegen könnten die Fehden längſt vergangener Zeiten immerhin noch einmal anfangen ſo zeigt er ſich gerüſtet und gewappnet, ſo feſt. und trotzig umſpannt die Ringmauer alle ſeine Bewohner. Das alte 4 Thor, die feſten Mauerthürme, die enge dunkle Straße, die Häuſer mit ihren überhängenden Giebeln, die Menſchen ſogar, in beſonderer, veralteter Tracht, hohe und hagere
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