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Alt⸗Ruhneck. 3
Straße braucht, ſo daß ihr leicht und bequem aus der Enge hinausgelangt. In die„Weite“ kommt ihr damit freilich nicht, es liegt ein noch engeres und dunkleres Thal vor euch, die Berge ſtreben immer höher empor und ſchließen ſich dort hinten noch feſter an einander. Am Fluß ziehn ſich Wieſen entlang, ein paar kleine Matten reichen die we⸗ niger ſteilen Höhen hinauf, Obſtbäume zeigen ſich an der Straße, aber es ſcheint ihnen hier gar nicht wohl zu ſein. Sonſt finden ſich keine Spuren des Menſchenwirkens und der Menſchenpflege, und über die Berge hin breitet ſich wie ein weites, leiſe bewegtes Meer der dunkle, ungeſtörte Wald.
So folgt Thal auf Thal in gleicher, einförmiger Weiſe. Zuweilen ſtoßt ihr vielleicht auf ein einzelnes Haus oder einen einſamen Hof, dabei finden ſich dann einige kleine Felder, und im Garten neben den Gebäuden zeigen ſich ein paar Blumen, welche draußen in der großen weiten Welt längſt nicht mehr modiſch und beliebt ſind. Oder es liegt einmal eine Mühle am Fluß, grau und ſchattig unter alten Bäumen, und das Toſen des Waſſers in ihren Rädern ſchallt weithin durch die Stille. Das alles iſt jedoch nur eine Ausnahme, die Menſchen hauſen, wie man euch ſagt, größtentheils auf den Höhen droben, und die Thäler ſind und bleiben einſam. Ihr ſteht in einem der großen Wald⸗ gebirge unſeres Vaterlandes.
Ihr ſeid ſchon lange fortgewandert, da zweigt ſich neben euch ein kleines und enges, ſo wunderbar grünes und ſtilles Thal ab, daß ihr dem Reize nicht widerſtehn könnt und dem ſchmalen Wege folgt, der auf der Thalſohle ſich


