Alt⸗Ruhneck.
zeigen, liegen noch tief unter den höheren, waldbedeckten Kämmen.
Ihr ſteigt hinab und findet die Stadt auf einem rauhen und zerriſſenen Boden erbaut, die Straßen ſteigen wunder⸗ lich auf und ab. Bald ſeht ihr in eine hinunter, deren Dächer kaum zum Niveau der Gaſſe emporſteigen, in der ihr für den Augenblick ſpaziert; bald ſchaut ihr die Funda⸗ mente einer andern Häuſerzeile dem Fels, hoch über euren Köpfen, entſteigen. Ringsum ragen aber und ſchatten die Berge und ſchneiden jede Ausſicht ab und trennen den ſtillen Ort gleichſam von allem Regen und Bewegen des Lebens. Denn ſtill trefft ihr die Stadt mit Ausnahme weniger Tage im Jahr faſt immerdar, unheimlich ſtill, ſo daß ihr euch ſicher nicht länger in ihrem Schatten aufhaltet, als ihr durchaus müßt. Ihr eilt hindurch und athmet auf, wenn ihr aus dem ſüdweſtlichen Thore in's Freie gelangt und dort wenigſtens einen ziemlich breiten Fluß mit raſchem Geflute lebhaft vorüberrauſchen ſeht. Die Straße geht neben ihm hin, nur ſchließt ſich in der Entfernung von zehn Mi⸗ nuten das Thal auch hier anſcheinend felſenfeſt. Es zieht ſich kein ſichtbarer breiterer Pfad die Berge hinan, und wo der Fluß herein kommt, ſcheint ebenfalls kein Raum für einen ſolchen zu ſein. Iſt denn hier der Welt Ende? fragt ihr euch kopfſchüttelnd.
Geht indeſſen nur getroſt weiter. Die Waſſer haben ihr Bett im weiten Bogen um den Fuß der ſchließenden Höhe gegraben, und zwiſchen ihnen und den anſteigenden Wänden gewann man grade noch ſo viel Raum, wie eine


