214
wieder ſcheint es Froſt's Weib zu ſein und doch iſt ſie es nicht: dieſelben ſchwarzen, ſeelenvollen Augen und doch ein anderer Blick, dieſelbe gedankenvolle Stirne und doch ein anderer Gedanke— dieſelben leicht aufgeworfenen Purpurlippen und doch ein anderer Athem, der ihnen ent⸗ ſtrömt. Ihr Haupt ſchmückt keine Myrthe, aber der goldene Schein des Abendroths, das durch die Bäume glüht, verklärt ihr Antlitz und zieht ſich herab bis auf das maleriſche Gewand, das Froſt auf der Stelle wieder erkennt. Dieſe Frauengeſtalt, zur Rechten Froſt's, iſt Laura Braag — ſo war ſie und nicht anders!
Ueber Froſt's Bruſt ſchlingen die beiden Schweſtern die Hände unzertrennlich in einander und dieſe Gruppe und der Bund, der ſie vereinigt, iſt die Löſung dreier Schickſale— und unſerer Erzählung. 5
Froſt ſtand und blickte nach dem Gemälde, bis ein Thränenquell ihm daſſelbe verdeckte. Er wandte ſich um und ſah ſeine Laura in einer entfernten Ecke ſtehen, als wage ſie nicht zu dem Bilde heranzutreten und neben Froſt zu ſtehen, wo Laura Braag auf ihn herabſchaute. Er ging auf ſie zu und weinte lange an ihrer Bruſt. Endlich ſah er ſich nach Mahlmann um— und fand ſich mit Laura allein. 3
Denn Mahlmann ſtand um dieſe Zeit mit dem ältlich ausſehenden Herrn, der heute früh ein Verſprechen des


