Teil eines Werkes 
2. Bd. (1859)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

200

Nein, rief er,da iſt kein Tod, und führte die Hand zitternd an ſeine Lippen, küßte ſie und weinte heiße Thrä⸗ nen darauf. Als er dann Laura wieder anblickte, ſtrahlte ein neues, verjüngtes Leben von ſeinem Antlitze. Seine Augen glänzten in Rührung und Freude.Die Schuld iſt ein Felſen, rief er aus, der uns den Weg verſperrt, und die Verſöhnung, die Verzeihung iſt eine Spalte darin, durch die ſich uns ein neues, reiches Leben öffnet. So werde ich noch leben dürfen?

Noch recht lange.

Werde ich Dich ſehen dürfen, und wo finde ich Dich? Und darf ich mit Dir reden, wie ich ſonſt mit Dir redete? denn dieſe Sprache erinnert an den Tod.

Ich bin ein Menſch, wie jeder andere, entgegnete Laura mit einem heitern Lächeln,ich kleide mich gern in ſchöne Stoffe, ich ſchaue mich im Spiegel, bewohne ſchöne Zimmer, ſchlafe und träume in der Nacht, und wenn ich dieſe Roſe abpflücken will, die hier ſo ſchön blüht, und dabei nicht vorſichtig bin, ſo ritze ich mir die Finger blutig.

Bei dieſen Worten beugte ſich Laura uieder und pflückte die Roſe, vielleicht geſchah es abſichtlich, daß ſie ſich in die Dornen ſtach; lächelnd hielt ſie dem freude⸗ trunkenen Bollhorn ihre weiße von dunkeln Bluttropfen geröthete Hand hin.. Welch köſtliches Leben! rief Bollhorn außer ſich.