Teil eines Werkes 
2. Bd. (1859)
Entstehung
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bald voll Haß oder voll Verzweiflung vor mir ſah, nie konnte dieſes Weib, ſelbſt in Erfüllung ihrer kleinen häus⸗ lichen Pflichten, für mich in das Niveau der erkaltenden Gewohnheit zurücktreten!

„In unſerer Nachbarſchaft muß Jemand geſtorben ſein,“ ſagte ich eines Morgens, als ich eben aufgeſtanden war, zas inmt Braag,„haben Sie Nichts gehört?“

„Nein!“—

„Gegen Anbruch des Morgens wurde ich durch einen mehrſtimmigen feierlichen Geſang geweckt. Wo iſt Laura?“ „Sie hat noch mit ihrer Desdemona zu thun.“

„Die arme Desdemona! Rufen Sie mich, wenn ich zu ihr kommen kann.“

Der Grabgeſang, der mich geweckt, hatte mich ver⸗ ſtimmt. Die ſchöne Sopranſtimme mußte einem Knaben angehört haben, ſie tönte ſo rein, ſo hell— nur um zu trauern, der tiefe Baß trauerte auch, wie ein Greis, der an der Hand eines Knaben hinter einem Sarge geht. Kein Ton der Hoffnung ſtieg aus dem Liede empor, es mahnte an die Vergänglichkeit alles Irdiſchen, an weiße Leichen⸗ tücher, an ſchwarz behangene Trauerpferde, und mir war es, als ginge ein Blumengeruch durch mein Zimmer—— kein Duften wie im Garten— ein Chaos von Blumen⸗