Teil eines Werkes 
2. Bd. (1859)
Entstehung
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leans geſehen und bewundert hatte. Als Zeichen ſeiner Huld überſandte er ihr ſpäter eine goldne Brillantuhr. Ich ſaß während der Vorſtellungen ſtill iu meiner Loge und hätte in mich ſelbſt zuſammenkriechen mögen, wenn ein donnernder Beifallsſturm die junge Künſtlerin empfing. Dieſe Erſcheinung da unten in der Fülle ihrer Jugend, mit dem Stempel des Geiſtes auf ihrem idealen Antlitz, dieſe Erſcheinung nach der ſich aller Blicke richte⸗ ten— iſt meine Braut! Dieſe Stimme vom tiefſten Leid erfüllt, deren Töne manchem fremden Auge Thränen ent⸗ locken— hat oft zärtlich meinen Namen genannt und wird ihn heute wieder nennen! Und wenn ſie dann ihr Diadem oder ihren blutigen Dolch abgelegt hatte, dann fuhren wir unbekümmert um die ſtrömende Menge, die ihr Bild im Herzen mit ſich forttrug, hinaus nach unſerm ſtillen Gar⸗ tenhauſe und an meiner Bruſt ruhte bis ſpät in die Nacht hinein das kleine aufgeregte Haupt, und ich blickte, die ſchnurrigſten Streiche aus meiner Knabenzeit erzählend, tief in die ſchwarzen, liebenden Augen hinein, die na ſolchen Abenden der geiſtigen Thätigkeit der Schlaf floh. Dieſe Liebe, getragen von den höchſten Verdienſten des Geiſtes, erhoben von der ewig neu geſtaltenden Gewalt des Genius— mußte ewig friſch und jung bleiben. Nie konnte dieſes edle Weib, das ich ſo vielgeſtaltig bald er⸗ haben, bald gedemüthigt, bald voll Liebe und in Thränen,