Teil eines Werkes 
2. Bd. (1859)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

86

erfüllen, ſo richte ich die ganz ergebenſte Bitte an Sie, mir den Ihnen ſeiner Zeit als Honorar für engliſchen und ſpaniſchen Unterricht vorgeſchoſſ'nen Betrag durch Ueberbringer Dieſes der Ihnen Quittung darüber ein⸗ händigen wird, geneigteſt zukommen zu laſſen.“

Ich konnte nicht hindern, daß Laura, die, gerade wie ihr Urbild Amine, den Kopf über meine Schulter ſteckte, und mit mir zugleich den Brief las, den Wunſch meines Vetters auf der Stelle erfüllte.—

Mein Vetter hatte allerdings richtig proͤſumirt. Ich befand mich in günſtigen Verhältniſſen, wie nie vorher. Laura ſorgte für mich wie eine Mutter und ſchalt mich auch wie eine Mutter, obwol ſie dabei lächelte, wenn ich, um die neuen Kleider zu ſchonen, mich dann und wann einmal, wenn wir ausgehen wollten, an einem alten Kleidungsſtück der früheren Periode vergriff. Meine Liebe zu ihr ließ ein demüthigendes Gefühl über meine materielle Schwäche nicht aufkommen, auch übte ich bereits die Schwingen, die mich in Zukunft über dieſen Punkt hinaustragen ſollten.

So kam die Zeit heran, wo Laura, die ſeit längrer Zeit die Bretter nicht wieder betreten hatte, in ihren letzten Rollen auftrat. Eines Tages wurde unſ'rer beſcheidenen Gartenwohnnng eine große Ehre zu Theil: der Beſuch eines Fürſten von auswärts, der, eben auf ſeiner Durch⸗ reiſe begriffen, Laura in der Rolle der Jungfrau von Or⸗