Teil eines Werkes 
2. Bd. (1859)
Entstehung
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gerüchen, in einen engen Raum zuſammengedrängt. Trüb⸗ ſelig blickte ich auf alle die kleinen Zeichen der Liebe, die mich umgaben.— Es muß Alles vergehen! Das Lächeln der Sonne, das zu meinem Fenſter hereindrang, kam mir ſo grell vor! Ich nahm ein Buch zur Hand, ich betrachtete die blinkende Lampe, die Bibliothek. Ob Der wohl glück⸗ lich zu preiſen iſt, der ſein Herz an nichts Liebes hängt? Der nur das liebt, das ſich erſetzen läßt und kein anderes eben kennt und ſchätzt als das ſeine und das, was ſein Geiſt hervorbringt? Der keinen Bruder, keine Schweſter hat, den kein Trauerklang, kein Leichenzug verſtimmen

und erſchrecken kann?— Ob Der wohl glücklich zu preiſen iſt?

Mitten in dieſen trüben Gedanken wurde ich von Laura überraſcht. Ich habe ſie nie ſo zärtlich an meine Bruſt gedrückt, noch nie wurde es meinen Lippen ſo ſchwer, ſich von den ihrigen wieder zu trennen. Sie ſchien von der Rolle der Desdemona, die ſie heute ſpielen ſollte, etwas angegriffen, ſie wußte, daß ich ihr das anſah und wunderte ſich deshalb nicht, daß ich lange ſchwieg.

„Heute endlich zum letzten Male,“ unterbrach ich das chweigen.

„Zum letzten Male,“ wiederholte Laura und ihr Blick ruhte auf Shakeſpeare's Büſte an der Wand. Ein

1859. VII. Der beſeelte Schatten. II.