Teil eines Werkes 
2. Bd. (1859)
Entstehung
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und, vermöge ſeiner Stellung und Talente, Laura's viel würdiger als ich. Das empfand ich nur zu tief— und doch hätte ich lieber dem Leben als Laura entſagt. Oft überdachte ich die Wirkung, die es auf Laura hervorbringen würde, wenn ich ihr ſagte, wer ich ſei. Nein! ſie kann nicht zurückſchrecken, tröſtete ich mich, dieſes reine, liebe Weſen wird gewiß nicht aufhören, mich zu lieben. Daß ſie mich liebte, hoffte ich, wie man einſt ſelig zu werden hofft. Je düſterer Bollhorn wurde, je kälter ſein Gruß, wenn er mich ſah, deſto feſter war mein Glaube an Laura's Liebe zu mir. Ein heiteres Lächeln auf Bollhorn's Geſicht, machte meinen Glauben wieder wankend. Ein tiefer Seuf⸗ zer, der leiſe ſeiner Bruſt entfloh, ſtrömte in die meinige und gab ihrer Freude Nahrung. Die Liebe iſt die höchſte Potenz des Egoismus, aber auch die würdigſte Anwendung jenes heiligſten Geſchenkes der Allmacht, das wir Ich nennen.

Ich glaubte eines Tages die Bemerkung zu machen, daß Bollhorn plötzlich freundſchaftlichere Geſinnungen gegen mich zu zeigen anfing. Er richtete ſeine Worte an mich, wo er ſonſt nur zu Laura oder deren Mutter ge⸗ ſprochen und mir kaum das Zuhören gegönnt hatte. Ich war deshalb unangenehm überraſcht. Hatte er von Laura Zugeſtändniſſe errungen? Aus dieſen ewigen Zweifeln mußte ich endlich heraus kommen, morgen wollte ich mich

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