Teil eines Werkes 
2. Bd. (1859)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

51

Seite anſah, da glaubte ich im Mondenlichte um ſeinen Mund ein Lächeln zu bemerken. Ich ſehe dieſes Lächeln jetzt noch!— Wir befanden uns in der Stadt.

„Nun, Ihr Weg führt Sie hier ab,“ ſagte er, an einer Ecke plötzlich ſtehen bleibend,„gute Nacht.“

„Gute Nacht,“ rief ich im höchſten Grade überraſcht. Er hatte recht; es war die Straße, in der ſich meines Vetters Haus befand; ich hatte vorübergehen und auf einem Umwege meine Wohnung erreichen wollen.

Sie bat mich, recht bald wieder zu kommen— ja recht bald— und recht oft! Was konnte ich anderes thun,

als ihren Wunſch erfüllen? War ſie nicht der Endpunkt

meines ganzen Strebens geweſen? Alles erinnerte mich ja an ſie, mit Allem, was mich umgab und was mein Inneres bewegte, war ſie ja verflochten. Mein treuer, täglicher Gefährte, meine Feder— konnte ich ſie denn an⸗ rühren, ohne an Laura zu denken? Konnte ich meine be⸗ ſcheidene Kammer denn betreten, ohne an Laura zu denken, für die ich hier oben in mancher ſtillen Nacht gedacht, gearbeitet— von der ich hier geträumt hatte? Gab es je einen Sonntag, an welchem mein Vetter ſeinen Frack trug, oder einen Abend, wo er— die goldene Brille auf der Naſe— die Zeitung las— wo ich nicht an Laura hätte