Teil eines Werkes 
2. Bd. (1859)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

27

Ich erinnerte daran, mit welch' erſchütternder Wahr⸗ heit in Ton und Bewegung die Künſtlerin die kurze Scene der Kammerfrau im Macbeth geſpielt hatte.

Der Redacteur war verhindert geweſen, den beiden letzten Akten beizuwohnen.

Kann man einer tragiſchen Heldin ein ſchöneres, geeigneteres Organ wünſchen, fragte ich,als die mit faſt männlicher Kraft tönende Bruſtſtimme des Fräulein Braag?

Nach äſthetiſchen Begriffen iſt dieſes Organ un⸗ ſchön.

Das wäre es, wenn dabei die Weiblichkeit verloren ginge.

Hier vermag nur das Geſetz des Schönen zu entſcheiden.

Und das natürliche Gefühl, wandte ich ein,das natürliche Gefühl, das mir z. B. gerade bei dieſer über⸗ raſchend ſchönen Erſcheinung die Illuſion geraubt haben würde, hätte ſie mit einer Stimme geſprochen, die ihr nach Allem, auf das man bei ihrem Anblick ſchließt, nicht angeſtanden hätte.

Der Redacteur zuckte die Achſeln. Fräulein Braag war und blieb zu nichts Größerm beſtimmt. Ich mußte ihm, für alle Eventualitäten, meine Adreſſe hinterlaſſen und bezeichnete ihm, da mir nichts anderes übrig blieb,

. 5 2*