Teil eines Werkes 
1. Bd. (1859)
Entstehung
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Der Sinn für das höhere Walten des Geiſtes, für die Schöpfungen des Genius iſt ein angeborner und weckt in vielen Herzen ſchon frühzeitig ein feineres, höher orga⸗ niſirtes Leben und Empfinden, das viele Andre nicht kennen. Aber oft im ſpätern Leben, wenn es ſtiller und ſtiller wird in der Seele, und das Herz ſeine Prozeſſe mit der Welt durchgekämpft und die Acten geſchloſſen hat, oft im ſpätern Leben, wenn es dunkelt und der Abend langſam hereinbricht, ſchlagen Laute und Stimmen an das Ohr, auf die man im langen und lauten Geräuſche des Tages nicht gehört hat. Da pickt es leiſe aus einem zweiten Leben heraus und der Menſch geſteht ſich, daß er ſich nur durch die Schale gearbeitet hat.

Laura trug freiwillig noch mehrere Muſikſtücke vor, die ſich ihrem erſten Vortrage würdig anſchloſſen. Ihre Wangen glühten und vielleicht hat ſie noch nie ſo ſchön geſpielt, vielleicht den Geiſt ihrer Tondichter noch nie ſo tief er⸗ kannt und erfaßt, als heute. Auf Mahlmann's und der Mutter Bitten entſchloß ſie ſich endlich auch, ein Lied zu

ſingen, und dann ſang ſie noch eins und noch eins, mit

einer Stimme, die auf der Bühne und im Concertſaal entzückt haben würde, die aber hier den Reiz doppelt er⸗ höhte, weil ſie ſich Wenigen gab, wo Hunderte hätten ge⸗ nießen können...

Als Laura das letzte Lied geendet hatte und leiſe an