198
man beinahe nicht wieder erkannt hätte, weil er ſich das Haar hat ganz kahl abſchneiden laſſen und ſtatt des ſchwar⸗ zen Hutes plötzlich einen gelben Strohhut trägt.
Der Gaſthof zum rothen Adler iſt abgebrannt— das hat Liebezeit unter einen Brief geſchrieben— aber die ſchnell platzgreifende Vorſtellung von Schutt und ſchwarzem verkohlten Gebälke und öden Mauern, wird ge⸗ täuſcht durch die Gerüſte, welche bereits an den Mauern emporſteigen und von hundert emſigen Arbeitern belebt ſind.
Da hält nun endlich der Wagen vor dem Poſthauſe— und mit gleichgültigen Geſichtern ſtehen die Beamten vor der Thür und ſcheinen nichts von den Reiſeerlebniſſen des Paſſagiers und ſeiner Koffer und Reiſetaſchen zu wiſſen, zu denen ſie denſelben doch einſt verholfen haben. Müde führt der Poſtillon die Pferde nach dem Stallgebäude, als das letzte Glied einer langen Kette von Pflichten, die man an dem Reiſenden geübt hatte.
Langſam geht Froſt durch die Straßen, er betritt das Haus. Im Comptoir iſt die Diele friſch geſcheuert, zwei Landkarten an der Wand haben die Plätze gewechſelt. Lie⸗ bezeit ſitzt hinter ſeinem Hauptbuche, ſpringt auf und heißt ſeinen Collegen überraſcht willkommen, als hätte er nicht vorher gewußt, daß er um dieſe Stunde kommen würde.
Nun iſt Froſt wieder da, und Liebezeit iſt im Ge⸗
1


