Teil eines Werkes 
1. Bd. (1859)
Entstehung
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Sie war ehemals jung und hübſch und iſt heute noch reich, denn ſie iſt Herrin eines behäbigen Gutes in Zier⸗ fels. Nichts deſto weniger i*ſt ſie, wie die böſe Welt es nennt,ſitzen geblieben.

Das iſt der Fluch des Provinzlebens, daß es zu weit abliegt von der Heerſtraße und ungeahnte Schätze in ſich verkümmern läßt, um die man ſich auf dem Weltmarkte großer Städte zerreißen würde.

Bertha Steinwald, das vierzigjährige Mädchen, wurde nicht müde, die Tochter ihrer Freundin zu betrachten, obwol ihr deren Erſcheinung nichts weniger als neu war.

Es wohnt überhaupt dem Weibe inne, ſeinem eignen Geſchlechte eine Aufmerkſamkeit zu widmen, die der Mann an ſich ſelbſt nicht kennt. Er begnügt ſich mit dem Bewußt⸗ ſein, daß jener Herr, an deſſen Arme eine Dame hängt, eben ein Mann iſt, wie er, und das Intereſſe, welches er an dem vorüberſchwebenden Paare nimmt, gilt nur der Dame. Nicht ſo die Frauen: das Bewußtſein, daß jene Dame ein Weib iſt, wie ſie ſelbſt, macht ſie unruhig und läßt ſie Vergleiche anſtellen, und wenn die Erſcheinung eines Mannes ihnen noch ſo gewaltig imponirt ſie übertragen Alles auf ſeine Begleiterin, als hätten ſie dieſelbe ihm vorher zugeſchnitten und als käme es jetzt darauf an, zu prüfen, ob ſie paßt oder nicht..

Bertha Steinwald's braune Augen ruhten fortwäh⸗