133
Wieder nickte die Alte.
„Du wollteſt einen günſtigen Zeitpunkt erwarten“, fügte Adeline hinzu und ihre Augen flammten in wilder Glut,„wo es galt, die leichten Tändeleien irgend eines hohen Cavaliers in ein ernſtes Verhältniß umzuwandeln, und dann mit Aufopferung Deiner ſelbſt Dein Kind für die Comteſſe von Arleborg erklären, wie Du es jetzt thun willſt. Aber—“ Adeline hielt einen Augenblick inne, und aus dem wilden Blicke, den ſie auf ihre Gegnerin geheftet hatte, leuchtete jetzt ein Triumph—„aber kennſt Du Liddy— die Waiſe, die Deine harte Hand erzog, bis ſie Dir eines Nachts entfloh?“
„Liddy!“ ſtammelten Frau Johanna und Roſa zu⸗ gleich, und beide traten der Sprecherin haſtig näher.
„Was ſoll dieſe Frage?“ ſagte Johanna, während ihre Augen unſtät über die Geſtalt der Majorin irrten. „Wer weiß von Liddy? Wer kann mir Nachricht über ſie geben und mir ſagen, daß ſie noch lebt?“
„Sie lebt“, rief Adeline, die Alte mit ihren Blicken durchbohrend,„ſie iſt hier! Ich ſelbſt bin Liddy!“
Adeline wich vor der Frau zurück wie vor einem Geſpenſt. Sie ſah etwas, auf das ſie nicht gefaßt war. Sie ſah Thränen in den ſtarr auf ſich gerichteten Augen der Betrügerin, die ſie zu entlarven und zu zerſchmettern
24


