müde, die bedenklichen Verhältniſſe derſelben erſchöpfend zu beſprechen, ja es waltete kein Zweifel, daß ſie ſich nicht ohne Behagen hinein verſenkte.
Karl würde die ſtörende Nachbarſchaft geflohen und ſich einen andern Platz ausgewählt haben, hätten nicht gewiſſe eigenthümliche Widerſprüche au dieſer Frau ſein neugieriges Intereſſe erregt, denn er hörte ſie nach wie vor ſchmerzlich ſtöhnen, wenn von oben Geſang ertönte, und zuweilen deutete ein halbunterdrücktes Schluchzen darauf hin, daß ſie weinte. Eines Abends ſah er die ſonderbare Fremde aus ihrer Laube heraustreten und, ſtatt nach der Pforte, ihre Schritte in entgegengeſetzter Richtung dem ſtillen Hauſe zu lenken, in deſſen Thür ſie verſchwand.
Roſa ſaß beim Lampenlicht am Tiſche. Die Arbeit, mit der ſie beſchäftigt geweſen, lag unberührt vor ihr. Sie hatte die Hände über dem Knie gefaltet und blickte gedankenvoll vor ſich hin. So ernſt der Gegenſtand viel⸗ leicht auch war, der ihren Geiſt beſchäftigte, um ihren Mund, in ihrem Auge ſpielte Milde und Freundlichkeit. Auf ihrer Stirn ſtanden keine Wolken, ſie zogen unter ihr dahin, wie unter dem Gipfel eines hohen Gebirgs. Da klopfte es an die Thür. Roſa erblickte eine Frau. Einen Augenblick lang verharrte ſie in furchtſamem Zögern,


