153 mußte in Anſpruch genommen werden, und die hierzu unver⸗ meidliche Bewegung verſchaffte dem Doctor den Anblick eines ſchimmernden Nackens und eines ſich vorbeugenden Frauen⸗ antlitzes, das ſich bisher beharrlich hinter dem Fenſter ver⸗ borgen gehalten hatte. Ein uns unzugängliches Fenſter
inmitten einer idylliſchen Einſamkeit iſt der wirkſamſte
Rahmen für das flüchtig auftauchende Bild eines ſchön⸗ geſchwungenen Frauenprofils mit den Farbeneffecten dunkler Brauen und Haarwellen. Immer wird es in geheimer Ver⸗ wandtſchaft zu unſern ſchönſten Träumen ſtehen.
Karl genoß den Anblick nur wenige Sekunden; was ſein Auge nur in dürftigen Umriſſen zu unterſcheiden vermochte, ergänzte ſeine Phantaſie, und Alles um ihn her, das Haus mit ſeinen Umgebungen jenſeits, der Garten mit ſeinem düſtern Dunkel dieſſeits, ſchien plötz⸗ lich Seele zu haben.
Er ſah unverwandt nach dem Fenſter, aber ſie zeigte ſch nicht wieder. Nur ihre Hand erhob ſich im Dienſte do. Nadel zuweilen über den Rand des Fenſters. Eidlich ſchien ſie ihre Nähterei auf dem Schooße zuſam⸗ memulegen und bald erhob ſie ſich, aber den Rücken gegen das Fenſter gekehrt, und tauchte im Dunkel des Zimners unter. Zuweilen huſchte über die in Finſterniß liegend, Decke deſſelben ein weißer Lichtſchein, der auf das. Oefnen einer anſtoßenden Thür ſchließen ließ; ſie


