120
ihm über Allerlei zu plaudern. Meine Liebe zu dem Manne, der in der ſchwärzeſten Stunde meines Lebens mir wie ein Himmelsbote erſchien, kennt keine Grenzen. Ich kann mir nicht denken, wie ich ſo lange ſchon habe leben können, ohne zu dem edlen Antlitz, zu den feu⸗
rigen Augen emporzublicken, aus denen eine ſo mäch⸗
tige Geiſtesüberlegenheit ſpricht, ein Etwas, deſſen Führer⸗ ſchaft ich mich in jeder Lage des Lebens anvertrauen würde.
Es macht mich ſtolz, den Mann zu lieben und mich von ihm wieder geliebt zu wiſſen, den Viele fürchten, und ſo hoch über den Vorurtheilen der Menſchen zu ſtehen. Was ſie auch von ihm ſprechen, ich laſſe ſie reden. Es wäre ſeiner unwürdig, wollte ich ihn ver⸗ theidigen.
Nun weiß ich, es gibt Jemand in der Welt, der für mich fühlt, der mich liebt, und die Brücke iſt geſchlagen, die mich„ieder mit den Menſchen verbindet. In jeder Jungfrau, die in der Blüte ihres Lebens dem Tode ins Antlitz ſchaut und von mir Rettung hofft, erblicke ich Roſa. Ich fühle mein Herz mit jedem andern bluten, das ein Herz verlieren ſoll, und die Tage, wo ich mich an den Thränen Anderer weiden konnte, liegen hinter mir wie ein finſterer Traum.


