Sängerinnen zur Seite, obwohl die Mutter nach wie vor die Kritiken zu kühl findet.
Ich werde an mir ſelbſt irre. Es gibt Stunden, wo ich nicht umhin kann, an eine mir innewohnende höhere Begabung zu glauben, die ich vielleicht ſelbſt nicht zu ſchätzen verſtehe. Aber noch viel, viel öfter ſind die Stunden, wo ich an mir zweifle und die ganze Welt für verblendet halte.
Ein armſeliges Blatt, der„Couliſſenfreund“, das ein⸗ zige, welches nicht in das Lob der übrigen mit ein⸗ ſtimmt, ſpricht mir alles Talent ab und ſagt, Minna Schröter werde in unverantwortlicher Weiſe gegen mich zurückgeſetzt. Und ich kann mir nicht helfen, ich glaube dieſen tadelnden Ausſprüchen mehr als allen Lobes⸗ erhebungen.
Je höher ich in der Gunſt des Publikums und der Preſſe ſteige, deſto mehr wächſt die Zahl hämiſcher Blicke, die ich inmitten meines Wirkungskreiſes ſelbſt auf mich gerichtet ſehe. Dahinter ſteckt, wie ich wohl fühle, noch etwas Anderes als Neid und Mißgunſt. In der Art und Weiſe, wie man mir die neueſten, von meinem Lobe erfüllten Zeitungen in die Hand gibt, in den Blicken, die man dabei tauſcht, in den Anſpielungen, die man ſich lächelnd zuflüſtert, wenn ſich im Auditorium für mich die Hände zu Beifall und Hervorruf regen, liegt Jronie.


