Fräulein Stubenrauch“, ſagte er, den Kopf linkiſch zu ihr erhebend;„in der Kirche, damals, bei Gelegenheit der feierlichen Trauung des jungen Fürſten mit der berühm⸗ ten Opernſängerin, ſah ich Sie zuerſt. Die Frau Mutter war mit Ihnen, ſonſt hätte ich's nicht wiſſen können. Dann führte mich mein Weg einige Male an dieſem Hauſe vorüber, wo ich Sie am Fenſter erblickte.“
Roſa öffnete ein Fenſter, ſah hinaus und bedauerte, daß die Mutter noch immer nicht käme.
„Wenn es Ihnen in meiner Geſellſchaft bange wird“, ſagte der Fremde gutmüthig,„ſo will ich gehen. Es gab einmal eine Zeit, wo ich Ihnen ein willkommener Geſell⸗ ſchafter war, da konnten Sie freilich noch nicht ſprechen und noch nicht laufen; ich habe Sie oft auf meinen Armen getragen; damals war ich ein blutjunger Burſche.“
Der ſanfte Ernſt, der bisher in Roſa's Augen zu bemerken war, wich jetzt einem freundlichern Ausdruck.
„Und nicht nur Sie habe ich auf meinen Armen ge⸗ tragen“, fügte der alte Bekannte der Mutter hinza,„auch Ihre Ihre—
Er ſah ſich im ganzen Zimmer um, als ſuchte er etwas, und verweilte dann mit fragendem Blicke auf Roſa.
„Meine Schweſter?“ rief Roſa lebhaft.
Der Fremde nickte mit freundlich blinzelnden Augen und machte eine beiſtimmende Krümmung mit dem Zeigefinger.
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